Bei Klassik-am-See 2018 wieder auf dem Programm: "Carmina Burana" von Carl Orff. 

Dazu Bizets Carmen-Suite Nr.1 sowie das Klavierkonzert von Robert Schumann mit dem Solisten Martin Stadtfeld.

Hier geht es zum Konzertplakat, hier zur Konzertkritik aus dem Pressearchiv der Nürnberger Nachrichten.

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Carl Orff

Moderne Musikexperten des Jahres 1937 konnten mit einem urwüchsig-bayerischen Querkopf wie Carl Orff nicht Rechtes anfangen, war doch die Gegenwartskunst durch Repräsentanten von Zwölfton- und Reihenmusik sowie anderer postserieller Klangkonstrukteure der Avantgarde geprägt. Schönberg und Webern in Deutschland und Österreich, Carter und Krenek in den USA sind Beispiele dafür.

1895 in München geboren, war Orff durch Vordenker wie Bela Bartok in Ungarn und Igor Strawinsky in Russland geprägt worden, die eine folkloristisch und national geprägte Rhythmik in Bewegung gesetzt hatten. Er hatte diese Elementarfunktionen bereits in seinem "Schulwerk" als elementaren Musikstil formuliert, eingebunden in eine statische Architektonik aus Ostinato-Bausteinen und traditionellen, auch folkloristischen Weisen im Wechsel konsonanter und dissonanter Klänge. In den Carmina Burana hat er diese Musizierweise bis zum Extrem musikalisch unbegleiteter Wortzerlegung und ekstatischer Silbenbetonung vorangetrieben.

Orff starb nach langer Krankheit 1982 in München. Er wurde in der Klosterkirche Andechs beigesetzt, für einen Nichtadligen und Nichtgeistlichen eine ungewöhnliche Ehre.

 

Orff stieß 1934 auf die von Johann Andreas Schmeller 1847 herausgegebene Ausgabe der Carmina Burana. Diese "Beurer Lieder" oder "Lieder aus Benediktbeuern" stammen aus einer Sammlung von mehr als 250 im 11. und 12. Jahrhundert entstandenen Lied- und Dramen-texten in lateinischer und mittelhochdeutscher, teils auch altfranzösischer Sprache. Die Auswahl von 24 dieser Texte umfasst eine weite Spanne weltlicher Themen: die Wechselhaftigkeit von Glück und Wohlstand, die Flüchtigkeit des Lebens, die Freude über die Rückkehr des Frühlings sowie die Genüsse und Gefahren von Trinken, Völlerei, Glücksspiel und Wollust.

Die Vertonung ist eine völlige Neukomposition. Zur Entstehungszeit von Orffs Werk war noch kaum eine der originalen mittelalterlichen Melodien rekonstruiert. So gestaltete er die Musik nach bereits bekannten Stilmerkmalen des Mittelalters wie etwa Bordun-Begleitung und Kirchentonarten. Orff selbst sah sein Werk weder als Oper noch als Oratorium. Manchmal wird es als „szenische Kantate“ bezeichnet, da szenische Elemente die Wirkung der Dichtung durchaus verstärken können. In der Publikumsgunst stand das Werk schnell ganz oben, da Orffs Wahl der künstlerischen Merkmale und Stilmittel sowie die literarischen Vorlagen und deren Ausstrahlung archetypischer Symbolkräfte es zu seinem größten und faszinierenden Einzelwerk machten.

1930 vertonte Carl Orff Verse des römischen Dichters Catull in sieben A-Cappella-Chören und nannte diese "Catulli Carmina". Er erweiterte sie 1943 durch Hinzufügung einer Rahmenhandlung zu szenischen Spielen. 1953 folgt eine weitere Kantate "Trionfo di Afrodite", deren lateinische und altgriechische Texte auf Dichtungen des Catull, der Sappho und des Euripides basieren. Die Handlung ist eine antike Hochzeitsfeier, die mit dem Auftritt der Liebesgöttin Aphrodite endet. Carl Orff fasste diese drei Carmina-Kantaten unter dem Titel "Trionfi" zusammen. Aufführungen des gesamten Triptychons sind aber die Ausnahme; seine "Carmina Burana" sind seine beliebteste Komposition geblieben.

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"Michaels Hitliste":

[1] André Previn | Bonney, Michaels-More | Arnold-Schönberg-Chor, Wiener Phil., 1993, DGG

[2] Günter Wand | Venuti, Binder | Chor und SO des NDR, 1984, Profil

[3] Kurt Eichhorn | Popp, Prey | Chor und SO des Bayer. Rundfunks, 1973, RCA/BMG

CD-Aufnahmen der Carmina Burana gibt es zuhauf; viele Dirigenten wurden angeregt, ihre Interpretation der virtuosen Gesänge festzuhalten. Alle drei nebenstehenden Aufnahmen sind sowohl für Liebhaber der Chormusik als auch schillernder Orchesterfarben ein guter Kauf.

  • André Previn setzt auf gemäßigte Tempi, arbeitet dabei viele Details in Chor und Orchester heraus. Sehr gute Aufnahmetechnik mit hervorragender Verständlichkeit des österreichischen Spitzenchors. Auch in Fortissimo-Stellen klangschön. Leider ohne Werkeinführung im Booklet.
  • Günter Wand war in seinem letzten Lebensjahrzehnt eher als der herausragende Interpret von Schubert- und Bruckner-Sinfonien bekannt geworden. Dabei wird oft übersehen, dass er in seiner Zeit als Chef der Rundfunkorchester von WDR und NDR viele Uraufführungen geleitet und der Verbreitung der Musik des 20. Jahrhunderts einen hohen Stellenwert gegeben hatte. Seinen Carmina hört man die Vertrautheit mit dieser modernen Stilepoche an; er setzt eigene starke Akzente (z.B. "In taberna") und überrascht den Hörer mit oft eigenwilliger Agogik. Lesenswertes Booklet.
  • Kurt Eichhorns Aufnahme von 1973 ist der "Klassiker" schlechthin, da Dirigent und Komponist regelmäßig Rücksprache zu den musikalischen und aufnahmetechnischen Fragen hielten. Mit unter 60 Minuten ist es auch die zügigste Aufnahme. In München entstand Mitte der siebziger Jahre eine Verfilmung der 'Carmina Burana'. Regie: Jean-Pierrre Ponnelle. (Dem Stück szenisch gerecht zu werden, ist sicher keine leichte Aufgabe - als Youtube-Video verfügbar hier) Der Soundtrack ist diese Aufnahme unter Kurt Eichhorn. Ein Bonus auf der CD sind drei Interviews, die Orff zu seinen Werken damals gegeben hatte.

Alle genannten Aufnahmen sind bei Internet-Versendern (z.B. jpc.de) für unter 10 Euro zu bekommen. Auf Youtube sind die Audio-Aufnahmen von Previn und Wand ebenfalls abzuhören.

   

 

 

 

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